Fahrradautobahn

Weiter ging es durch das breite Etschtal in Richtung Trient. Der gut gebaute Radweg ist mit gelben Begrenzungsstreifen ausgestattet und man sollte als Fußgänger äußerst rechts gehen und sich gelegentlich umschauen, denn hier sind zahlreiche Rennradler mit affenartiger Geschwindigkeit unterwegs. Ich konnte diesem Abschnitt der Reise eine gewisse Monotonie nicht absprechen und meine Motivation wurde hart geprüft. Schon früh am Morgen brannte die Sonne gnadenlos herunter und es wurde tagsüber bis 35 Grad heiß. Wollte man rasten oder sich irgendwo in den Schatten stellen, musste man die “Fahrradautobahn” verlassen. Es gab jedoch kaum Dörfer abseits des Weges, sondern nur schier endlose Apfelplantagen. Ich machte den Fehler und pflückte mir einen der Äpfel, die so paradiesisch am Wegrand gedeihten. Nach zwei Bissen warf ich ihn wieder in den Graben. Es fahren immer wieder kleine Traktoren durch die Plantagen und besprenkeln die Obstbäume – allerdings nicht mit Wasser, das machen die Beregnungsanlagen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Der Alte

“Ich hätte fast vergessen, dass mir gestern früh, nachdem ich schon etwa drei Kilometer vom Hof in Kurtining weg war, der Bauer des Hofes (Senior) höchstpersönlich mit dem Fahrrad nachgefahren ist. Ich geh grad so in Gedanken den Radweg entlang, als mich von hinten ein Radler anspricht. Es war der Bauer mit einem alten Damenrad, er gekleidet in Arbeitsmontur mit Schürzen. Da ihm seine Frau von meiner Reise erzählt hatte, wollte er sich nochmal mit mir unterhalten. Er gab mir einige nützliche Tips mit und war von seiner Art her sehr zünftig, herzlich und aufgeschlossen. Mit einem innigen Händedruck verabschiedeten wir uns und er fuhr zurück nach Südtirol, während ich meinen Marsch in Richtung Trento fortsetzte” – Zitat aus meinem Reisetagebuch.

Mir ist noch sein letzter Satz im Gedächtnis geblieben: “I woll unbedingt a mol sehn, wos des für a Bursch is, der so an Schneid hod, bis noach Venedig zu marschiern!”

Dann stieg er wieder auf sein Rad und fuhr zurück. Ich war noch ziemlich verlegen und erst im letzten Moment dachte ich daran, die Kamera heraus zu holen und ihn zu fotografieren.

 Nun verließ ich den deutschsprachigen Raum endgültig und betrat die autonome Provinz Trient / Trento.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Meran

Störungsbeseitigung Falschparker – Als Ex-Cop hat es mich natürlich interessiert, wie die Kolleginnen in Meran das machen.

Fast eine deutsche Stadt, so eng gebaut,
Gassen und Giebel dämmerig vertraut.

Hier möcht ich Stunden, Tage, Wochen viel
Verträumen und verschlendern ohne Ziel.

Hier möcht ich sorgenlos an schöner Brust
Vertändeln einer leichten Liebe Lust.

Hier möcht ich bleiben – wäre drüben nicht
Ostwärts die freie Luft so seltsam licht.

Dort weiß ich warten zauberhaft und hell
Mein Ziel – Venedig! Und ich reise schnell.

“Padua” von Hermann Hesse 1901

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Abschied

vom Gstirnerhof, in dem ich zwei Tage gewohnt habe. Sehr nette Wirtsleute und Angestellte, gutes Frühstück und schöne Zimmer!

Der Weg führte mich weiter auf dem gut ausgebauten Radweg an der Etsch entlang. Hier kam ich am Schloss Juval – einer mittelalterlichen Burg – vorbei, die im Jahre 1278 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im Jahre 1983 erwarb Reinhold Messner das Schloss und restaurierte es. Seitdem dient es als dessen Wohnsitz und beherbergt auch dessen Tibetika-Sammlung. Schloss und Sammlung sind Teil des “Messner Mountain Museum” und können besichtigt werden.

Dort unten im Tal liegt ein weiteres großes Etappenziel: MERAN!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Heute im Wald

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Musikfest!

Endlose Apfelplantagen auf dem Weg nach Meran.

Als ich durch Latsch im Vinschgau kam, sah ich dieses Plakat und nutzte natürlich die Gelegenheit, am Sonntag Nachmittag ein Tiroler Musikfest zu besuchen.

Nach einer kleinen Spende durfte ich nicht nur den Festplatz betreten, sondern auch die zwei urigen Pförtner in Tiroler Tracht fotografieren, die sichtlich gut gelaunt waren.

Die Trachtenmusikkapelle Elsbethen aus Österreich mit dem Marsch “Dem Land Tirol die Treue”. Danach folgte der Bozener Bergsteigermarsch. Sie hatten sich auf ihren Besuch in Südtirol von der Liedauswahl her sehr gut vorbereitet. Bei guter musikalischer Unterhaltung verbrachte ich zwei schöne Stunden auf dem Musikfest und ging dann weiter nach Kastelbell, wo ich im Gstirnerhof für zwei Nächte Unterkunft fand.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Prad am Stilfserjoch

Nachdem ich über zwei Stunden auf Zimmersuche in Prad war, fand ich am späten Abend in diesem historischen Hotel schließlich noch ein sehr schönes Zimmer. Auf dem Campingplatz oder wild zu übernachten ist recht und schön, aber ab und zu braucht man vier Wände und ein richtiges Bett. Laut Google-Maps gibt es das Hotel immer noch. Es heißt jetzt “Hotel Posta Cervo” und wurde scheinbar renoviert. Es liegt direkt an der SS38 nach Meran

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Reschen am See / Resia

Den Reschenpass hinter mir gelassen, erreicht ich etwa 2 km nach der Italienischen Grenze die Ortschaft Reschen am See / Resia. In diesem Ort entspringt die Etsch, deren Verlauf die Via Claudia über Meran und Bozen bis nach Trient folgt. Der Reschensee / Lago di Resia birgt eine Besonderheit, auf die ich in meinem nächsten Beitrag zu sprechen komme.

Schon als ich in Reschen angekommen war, sind mir die vielen Plakate der Südtiroler Freiheit ins Auge gestochen. Da ich sowieso Proviant brauchte, begab ich mich in den einzigen Einkaufsmarkt in Reschen und besorgte mir das nötigste. Weil mich dieses Freiheitsthema sehr interessierte, sprach ich nach dem Einkauf unvermittelt einen Einheimischen noch im Einkaufsmarkt an. Wenn man wochenlang alleine unterwegs ist, dann wird die Hemmschwelle, einen fremden Menschen anzusprechen, sehr niedrig. Ich fragte den jungen Mann, was er von dieser Parole “Weg von Italien – freies Südtirol” halte. Vom Alter her war er mir in etwa gleich (damals 31) und er sagte mir, dass er die Zugehörigkeit zu Italien grundsätzlich gut finde. Seiner Aussage nach werde Südtirol von Italien strukturell zwar vernachlässigt und als günstige Urlaubsregion mißbraucht, profitiere aber generell von (Süd-)Italienischem Tourismus. Eine Eigenständigkeit Südtirols halte er aber nicht für möglich. Eine Zerissenheit in seinen Ausführungen war allerdings unverkennbar!

Am Ende des Tages hatte ich meine Dackelgarage neben einer viel befahrenen Straße hinter einer Schallschutzmauer aufgestellt, weil ich einfach nicht mehr weiter wollte/konnte. Da ich täglich etwa 25 bis 30 km marschiert bin, hatte ich nie Probleme mit dem Einschlafen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Bella Italia

Valico di frontiera a brutto tempo – Grenzübergang bei schlechtem Wetter…

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Die Schweiz

Schließlich führte mich der Weg ein Stück durch die Ost-Schweiz. Hier die kleine Ortschaft Martina. Dann sollte es links den Berg hoch gehen…

Die elf Kehren bis nach Nauders hinauf! Hier ein Blick von halber Strecke auf Martina.

Geschafft! Am Dreiländer-Eck bei Nauders. Nur noch wenige Kilometer bis zur Italienischen Grenze und dann führt der Weg an Reschen (Resia) vorbei durchs malerische Südtirol / Alto Adige. Obwohl Südtirol ganz klar zu Italien gehört, sprechen die meisten Menschen dort auch Deutsch und für Wanderer wie mich ist es eine paradiesische Gegend, da in wirklich jedem kleinen Dorf ein Brunnen mit frischem Quellwasser sprudelt, wo man seine Flasche auffüllen kann und man überall gute Gasthäuser und Pensionen findet. Wer nach Südtirol kommt, der sollte unbedingt ein “Speck-Brettl” (Speck am Brettl) probieren!

(Beispielbild aus dem Netz)

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar